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Von Funkamateuren entwickelte Empfängerbausätze für Einsteiger

Vielerorts wurden in DARC-Ortsverbänden für den Nachbau geeignete Empfänger entwickelt, um Neueinsteigern für wenig Geld das Hereinhören beim Amateurfunk zu ermöglichen. Speziell für solche Geräte benötigte Einzelteile wurden im Fachhandel, über die Ortsverbände selbst oder auch von Verlagen angeboten. Später gab es auch passende Bauteilesätze und Leiterplatten. So konnte man sich die benötigten Bauteile gegebenenfalls auch selbst zusammensuchen. Beispiele für solche Bauvorschläge sind hier vorgestellt.

0V1-Empfänger „Contest“

Im Jahre 1950 wurde in Deutschland der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) gegründet. Um das Interesse am Amateurfunk zu wecken, entwickelte man im Bezirksverband Bayern einen einfach nachzubauenden Empfänger, mit dem sich die seinerzeit zulässigen KW-Amateurbänder empfangen ließen (80m, 40m, 20m und 10m). Im Gegensatz zu vielen anderen Selbstbaugeräten der damaligen Zeit, die oft mit überwiegend „ausgeschlachteten“ Bauelementen arbeiteten, setzte man auf zu jener Zeit im Fachhandel erhältliche Bauelemente und eine Konstruktion, die sogar den VDE-Vorschriften genügte. Die Wahl des Schaltungsprinzips fiel auf den klassischen Einkreiser mit Audionschaltung und regelbarer Rückkopplung. So konnten im Verhältnis zum technischen und finanziellen Aufwand ausgesprochen überzeugende Empfangsergebnisse erzielt werden. Die Schaltung stellte nur geringe Anforderungen, was den Nachbau besonders für Anfänger attraktiv machte. Das Gerät wurde unter dem Namen „Contest“ noch im selben Jahr in der Funkschau vorgestellt und später auch in der Fachliteratur beschrieben.

Frontansicht des in der Funkschau vorgestellten Selbstbau-Amateurfunkempfängers 'Contest' aus dem Jahre 1950.

Der Bandwechsel erfolgte durch steckbare Spulen. So konnten bei entsprechender Dimensionierung auch alle anderen Kurzwellenbereiche (z.B. der KW-Rundfunk) empfangen werden. Mit einem 100-pF-Drehkondensator wurde auf den Anfang des jeweiligen Bandes eingestellt. Die eigentliche Abstimmung erfolgte über einen weiteren Drehko mit kleinerer Kapazität. Diese Bandspreizung gestattete eine feinfühligere Bedienung. Um bei geringem Aufwand eine hohe Empfangsleistung zu erzielen, wurde als Herzstück des Empfängers die Pico-Röhre ECL 113 gewählt. Diese seinerzeit hochmoderne Verbundröhre ermöglichte eine für den Kopfhörerempfang schwacher Stationen ausreichende Verstärkung und mit etwa 2 Watt reichlich Leistung für den Empfang stärkerer Stationen über einen Lautsprecher - bei vergleichweise kleinem Netzteilaufwand. An guten Hochantennen waren mit solch einfachen Geräten bemerkenswerte Empfangsergebnisse erzielbar. Wie bei allen Einkreisempfängern hing die Leistungsfähigkeit maßgeblich von der richtigen Bedienung, insbesondere der feinfühligen Einstellung der Rückkopplung, ab.

Schaltplan des in der Funkschau vorgestellten Selbstbau-Amateurfunkempfängers 'Contest' aus dem Jahre 1950.

Zwei alternative Antenneneingänge boten wahlweise eine induktive Kopplung über eine Koppelwicklung und eine variable kapazitive Kopplung im Bereich von 3 bis 30 pF über einen Drehkondensator, die zur Erreichung einer guten Empfindlichkeit mit kürzeren Antennen empfehlenswert war. Das Triodensystem der ECL 113 wurde als Audion eingesetzt. Eine Besonderheit war die Rückkopplungsregelung durch Einstellung der Anodenspannung mittels eines 50-kΩ-Potentiometers. So veränderte die Rückkopplungs-Einstellung selbst auf den höheren Bändern die jeweils eingestellte Empfangsfrequenz nur wenig. Eine Siebkette aus zwei 200-pF-Kondensatoren und einem 10-kΩ -Siebwiderstand (10 kΩ) unterdrückte Hochfrequenzreste am Ausgang der Audionschaltung.

Abbildung der vier Steckspulen, gewickelt auf Keramik-Spulenkörper von Hirschmann.

Die Spulen für die verschiedenen Bänder waren auf damals handelsübliche Keramik-Steckspulenkörper des Herstellers Hirschmann gewickelt. Die genauen Angaben der Windungszahlen und zur Anordnung von Antennen-, Rückkopplungs und Schwingkreis-Wicklungen ermöglichten eine besonders hohe Nachbausicherheit. Der Rückkopplungsfaktor war so bemessen, dass sich auf allen Bändern ein weicher Schwingungseinsatz ergab. Der Endverstärker nutzte das Endpentodensystem der ECL 113 und arbeitete ein- wie ausgangsseitig transformatorgekoppelt. Wegen des kleineren Ausgangswiderstands des Audions im Vergleich zum Eingang der Pentodenstufe ermöglichte ein dort eingefügter Übertrager mit einem Übersetzungsverhältnis von 1:4 einen zusätzlichen Verstärkungsgewinn. Ein 1-µF-Kondensator in der primärseitigen Anodenspannungszuführung diente der Siebung, um Regelgeräusche bei der Betätigung der Rückkopplung und Restbrummen zu minimieren. Ein separates Buchsenpaar erlaubte den gleichstromfreien Anschluss von hochohmigen Kopfhörern. Der 0,1-µF-Kondensator hielt die Anodengleichspannung vom Ausgang fern, während ein parallel geschalteter 10-nF-Kondensator Störgeräusche im oberen Frequenzbereich beschnitt.

Konstruktionsschema für die auf Keramikkörper gewickelten Steckspulen.

Die Bauanleitung sah einen soliden mechanischen Aufbau auf einem Chassis mit den Abmessungen 300 x 215 mm und einer Einbautiefe von 105 mm vor. Ein passendes Metallgehäuse wurde damals von der Firma Leistner aus Hamburg-Altona angeboten. Die Bedienungselemente auf der Frontplatte waren übersichtlich und betriebsgerecht angeordnet. Links befand sich der Netzschalter, gefolgt von den Reglern für Rückkopplung und Antennenkopplung. Rechts daneben lagen Bandsetz-, Bandspreizkondensator und der Kopfhöreranschluss. Die Rückseite bot eine Dreifachbuchse für die beiden Antennenanschlüsse und die Erde, in der Mitte den niederohmigen Lautsprecher-Anschluss und rechts das Sicherungs-Einbauelement. Klar gegliedert befanden sich auf dem Chassis - von rückwärts gesehen - im rechten Teil Netztransformator, Elektrolytkondensator und Selengleichrichter. In der Chassismitte waren der Bandspreizkondensator (20 pF) und die Röhre ECL 113 positioniert. Im linken Teil fanden sich Steckspule, 1-µF-Kondensator und NF-Übertrager. Alle übrigen Komponenten, wie Ausgangstransformator, Rückkopplungs- und Antennenkopplungsregler, Netzschalter sowie der Bandsetzkondensator (100 pF), waren unterhalb des Chassis montiert. Die auf weißen Karton handgezeichnete Skala befand sich hinter einer Glasplatte, die in einen Abdeckrahmen eingeklebt wurde. Darüber konnte ein parallel zur Heizwicklung geschaltetes Skalenlämpchen eingebaut werden.

Windungszahlen der Steckspulen für das 80m-, 40m-, 20m- und 10m-Band zum Amateurfunk-Empfänger 'Contest'.

Audion-Super 'Göttinger Baby II'

Bei Röhrengeräten bestand ein beliebtes Konzept für Selbstbau-Amateurempfänger darin, einen Audion-Empfänger durch einen abstimmbaren Konverter zu ergänzen. Der Audion-Empfänger arbeitete dann auf einer festen Zwischenfrequenz, so dass die Rückkopplung bei der Suche nach empfangswürdigen Stationen nicht ständig nachreguliert werden musste. Man konnte so die beim Selbstbau von Geradeaus-Empfängern gemachten Erfahrungen in die Konstruktion eines Superhet-Empfängers größtenteils mit einfließen lassen. Gegebenenfalls ließ sich sogar ein vorhandener 0-V-2-Empfänger in dieser Weise zum Superhet erweitern. Ein als Audionsuper arbeitender Empfänger, der schon mit Transistoren bestückt war, wurde im DARC-Ortsverband Göttingen ab Ende der 1960er Jahre als Mustergerät für den Nachbau entwickelt. Es handelte sich um ein kleines und tragbares Gerät für das 80m-Amateurband, das auch als Peilempfänger für Fuchsjagden einsetzbar war. Man dachte dabei vor allem an den Amateurfunk-Nachwuchs und gab dem Gerät den Namen Göttinger Baby. Die erste Version war nur für Kopfhörer-Empfang ausgelegt und weniger empfindlich. Auch war die Frequenzstabilität nicht so gut, wie beim hier vorgestellten Göttinger Baby II, dessen Schaltung hier nun etwas genauer besprochen werden soll. Auf eine HF-Stufe mit dem als Kaskode-Verstärker betriebenen IC CA3028 von RCA folgt eine Mischstufe mit einem HF-Transistor vom Typ BF224. Als Oszillator dient ein weiterer Transistor diesen Typs. Um die Kaskode-Schaltung besser zu erkennen, ist der integrierte Schaltkeis mitsamt Innenschaltung dargestellt. Die zusätzlich zur Ferrit-Antenne zuschalt- und -regelbare Stabantenne ermöglicht eine eindeutige Richtungs-Bestimmung beim Einsatz als Peilempfänger. Der Mischstufe schließt sich direkt das auf 470 kHz arbeitende ZF-Audion an. Dahinter begrenzt ein Tiefpass die NF-Bandbreite, was vor allem für den SSB- und CW-Empfang wichtig ist. Alle weiteren Stufen dienen der NF-Verstärkung. Beim Vergleich des ZF-Audions und der beiden darauf folgenden NF-Stufen erkennt man deutlich, dass beim Trabant KM von Radio RIM "abgekupfert" wurde.

Schaltplan des SWL- und Fuchsjagd-Empfängers 'Göttinger Baby II' für das 80m-Amateurband.

Ich hatte das Glück, in meiner SWL-Zeit ein solches Gerät ausgiebig testen zu können; es wurde mir freundlicherweise von einem OM leihweise zur Verfügung gestellt. Die Empfindlichkeit war sehr gut. In den frühen Abendstunden ließen sich schon mit der eingebauten Ferritantenne zahlreiche Amateur-Stationen empfangen. Schloss man anstelle der Stabantenne eine Langdraht-Antenne an, war auch der Empfang schwächerer Stationen bzw. DX-Empfang kein größeres Problem. Nachteilig war allerdings, dass bei CW kein Einzeichen-Empfang möglich war bzw. in Bezug auf SSB das unerwünschte Seitenband nicht unterdrückt wurde. Dies ist aber ein genereller Nachteil des Audion-Supers. Speziell beim beschriebenen Gerät kam noch hinzu, dass das ZF-Audion sehr zum Synchronisieren neigte, so dass stärkere SSB-Stationen ziemlich verzerrt empfangen wurden, wenn man die HF-Verstärkung nicht zurückregelte. Eine automatische Regelung bot das Gerät ja nicht. Dies machte das Zuhören von SSB-Runden recht anstrengend. Weiterhin wirkte sich die fast ohne Ruhestrom arbeitende Gegentakt-Endstufe nachteilig auf die Tonqualität aus, da es bei kleiner eingestellter Lautstärke zu recht erheblichen Übernahme-Verzerrungen der Endtransistoren kam. Die als Lautsprecher dienende Telefon-Hörkapsel trug beim SSB- und CW-Empfang durch ihre kleine Wiedergabe-Bandbreite zwar positiv zur Nahselektion des Gerätes bei, der Klang war so zusammengenommen aber nicht gerade ein Genuss. Am Aufwand gemessen wirklich gut war bei diesem Empfänger jedoch die Trennschärfe beim Empfang von AM-Stationen, die seinerzeit noch gelegentlich im 80m-Band zu hören waren. Obwohl die Schaltung viele interessante Anregungen für Selbstbaugeräte liefern kann, sah ich wegen der beschriebenen Nachteile vom Nachbau eines solchen Gerätes ab.

Abbildung des SWL- und Fuchsjagd-Empfängers 'Göttinger Baby II' für das 80m-Amateurband.

DL0VV-Direktmisch-Empfänger

Im Aprilheft 1972 der Zeitschrift Elektor erschien die Bauanleitung für einen einfachen Empfänger für das 80m-Band. Er war als Bastel-Projekt für Amateurfunk-Einsteiger gedacht und wurde von DK2GBX und DJ9RW von der Clubstation DL0VV entwickelt. Es handelte sich um einen sehr brauchbaren Direktmisch-Empfänger.

Schaltplan des DL0VV-Direktmischempfängers für das 80m-Amateurband inklusive aller in nachfolgenden Elektor-Heften erschienenen Verbesserungen.

In der Oktoberausgabe erschien ein Erfahrungsbericht, der einige Fehlerkorrekturen enthielt. In diesem Schaltbild sind jene berücksichtigt. Der Oszillator-Ausgang eignet sich für den Anschluss eines Frequenzzählers. Es kann dort auch ein HF-Leistungs-Verstärker angeschlossen werden und die Schaltung so zu einem CW-Transceiver erweitert werden.

Frontansicht eines Nachbaus des in der Elektor erschienenen DL0VV-Empfängers für das 80m-Band.

Ich baute einen solchen Empfänger in freier Verdrahtung auf. Abgesehen von der fehlenden Seitenband-Unterdrückung lieferte er sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Die Bilder vermitteln Eindrücke von der Frontansicht und dem Innenaufbau eines solchen, aber auf Platinen aufgebauten Empfängers.

Innenansicht eines Nachbaus des in der Elektor erschienenen DL0VV-Empfängers für das 80m-Band.