Transistor-Phasensender für SSB

Basierend auf meinen Versuchen mit dem Adapt-O-Citer ersetzte ich die PA und den Mikrofonverstärker durch transistorisierte Schaltungen. Außerdem verbesserte ich den NF-Phasenschieber. Ansonsten unverändert konnte so mit der Schaltung eine sehr brauchbare Seitenband-Unterdrückung erzielt werden. So entstand nach und nach ein kompletter einfacher SSB-Transistor-Sender.

Wie im Blockschaltbild gezeigt, muss das NF-Signal der Schaltung mit einem Phasenunterschied von 90° an zwei Punkten zugeführt werden. In meiner Schaltung setzte ich eingangsseitig für beide Zweige getrennte Stufen ein. Damit konnte die Baugruppe auch für Versuche mit SSB-Direktmisch-Empfängern mit Seitenband-Unterdrückung eingesetzt werden. Für den Einsatz im Sender würde prinzipiell eine Eingangsstufe ausreichen. Hier die Schaltung des darin verwendeten HF-Teils vom SSB-Modulator:

Und hier nun die Schaltung des von mir verwendeten NF-Phasenschiebers mit den zwei Eingangsstufen:

Die Schaltung des Linearverstärkers ging aus dem Schaltungsvorschlag eines Fuchsjagdsenders hervor. Er wurde in Elektronisches Jahrbuch 1970, DMV-Verlag vorgestellt. Mich reizte an der Schaltung die ungewöhnliche Anordnung, bei der die Basis-Anschlüsse der Transistoren jeweils HF-mäßig mit den Ausgangskreisen verbunden waren. Hintergrund waren zu jener Zeit kaum verfügbare HF-Leistungstransistoren. Mit dieser Schaltung ließen sich die Transistoren nahe an der Grenzfrequenz betreiben. Darüberhinaus lagen die Kollektoren auf Null-Potential, so dass die Transistoren ohne Isolierung direkt am Kühlkörper montiert werden konnten. Als ich die Schaltung aufbaute, waren bei uns im Westen mit dem BD136 längst billige und wesentlich besser geeignete PNP-Transistoren verfügbar. Mit mehreren parallel geschalteten Exemplaren dürften sich in einer solchen Anordnung daher noch erheblich größere Leistungen erzielen lassen. Das habe ich bisher aber noch nicht getestet.

Ich veränderte die Schaltung des Fuchsjagd-Senders, indem ich den Quarz-Oszillator zum HF-Verstärker umfunktionierte und die Treiber- und Endstufe durch Veränderung der Arbeitspunkte für den Linearbetrieb tauglich machte. Dazu führte ich den Basisanschlüssen über HF-Drosseln jeweils eine Vorspannung zu und fügte die Emitterwiderstände ein (4,7 Ohm für den Treiber, 0,47 Ohm für die Endstufe). Das nun unterschiedliche Gleichspannungs-Potential von Emitter und Basis musste jeweils über Kondensatoren entkoppelt werden. Zur thermischen Stabilisierung der Endstufe verwendete ich eine aus dem NF-Verstärkerbau bekannte Anordnung. Der dazu benutzte Transistor war dazu wegen der thermischen Kopplung mit einer Schelle am Endstufen-Kühlkörper  zu montieren.

Die so entstandene Schaltung arbeitete sehr stabil und gab je nach Dimensionierung der Schwingkreise auf 80m und 40m eine Ausgangsleistung von ca. 5 Watt ab:

Der Ausgangsübertrager und später auch der Treiberkreis waren auf Ringkerne gewickelt. Die Übertragung von der Vor- zur Treiberstufe erfolgt über ein kapazitiv belastetes 10,7-MHz-Einzelkreisfilter (Kennfarbe orange) aus einem UKW-Radio. Durch den Parallel-Kondensator von 330 pF ließ er sich auf 3,65 MHz auf Resonanz abgleichen.

Phasensender lassen sich direkt auf der Endfrequenz, d.h. ohne feste ZF und ohne nachfolgende Mischung auf die Betriebsfrequenz betreiben. Mit einem VFO ist prinzipiell auch frequenzvariabler Betrieb möglich. Gut eignet sich dazu der an anderer Stelle gezeigte Seiler-Oszillator mit nachgeschalteter Pufferstufe. Er hat im 3,6 MHz-Gebiet eine vorzügliche Frequenzstabilität.

Das 80m-Band sollte für eine hinreichend genaue HF-Phasendifferenz und entsprechend gute Seitenband-Unterdrückung in Seqmente von 100khz oder besser noch 50kHz unterteilt werden. Die Abgleichelemente werden dann für jeden Bereich separat justiert.

 

© Claus Schmidt, DL4CS